Unterstützende Ressource zur Information über hasserfülltes Verhalten

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Bei Twitch dreht sich alles darum, Communitys aufzubauen, und jede Community ist nur so stark wie die Personen, aus denen sie besteht und die Kultur, die in ihr geformt wird. Niemand sollte sich ausgeschlossen oder gehasst fühlen für etwas, das er ist – auf Twitch nicht und auch nirgendwo sonst.

Leider kommt es auch auf Twitch zu Vorfällen, die dazu führen, dass manche Personen sich nicht willkommen, oder noch schlimmer, unsicher fühlen. Deswegen verfolgen wir gegenüber hasserfülltem Verhalten und Beleidigungen eine Null-Toleranz-Politik. Das bedeutet, dass wir auf jede berechtigte Meldung von hasserfülltem Verhalten reagieren.

Was ist hasserfülltes Verhalten?

“Hasserfülltes Verhalten” bezieht sich auf alle Arten von Inhalten oder Verhaltensweisen, mit denen andere Personen auf Grundlage “geschützter Merkmale” wie Alter, ethnischer Herkunft, Hautfarbe, Kaste, Staatsangehörigkeit, Einwanderungsstatus, Religion oder Weltanschauung, Geschlecht, Gender, Genderidentität, sexueller Identität, sexueller Orientierung, Behinderung, schwerer Erkrankungen und Veteranenstatus diskriminiert, herabgesetzt oder belästigt werden oder andere zu gewalttätigen Handlungen gegen diese Personen aufgerufen werden. Häufig beinhaltet hasserfülltes Verhalten die Belästigung von Mitgliedern einer geschützten Gruppe aufgrund eines geschützten Merkmals. Wir definieren “geschützte Gruppen” als Bevölkerungsgruppen, die ein geschütztes Merkmal teilen.

In unseren Community-Richtlinien findest du ausführliche Informationen, aber einige Beispiele für hasserfülltes Verhalten sind unter anderem:

  • Inhalt, der zu Gewalt gegen eine geschützte Gruppe aufruft oder diese propagiert, wie zum Beispiel: “Tötet alle [geschützte Gruppe]”
  • Verwendung von Kombinationen aus Worten, Bildern oder Emotes, die negative Stereotypen und/oder Memes entmenschlichen oder bestärken, z. B. die Behauptung, alle [geschützte Gruppe] seien gierig oder von geringer Intelligenz
  • Inhalte, die aussagen oder den Wunsch äußern, dass eine geschützte Gruppe sich mit einer schweren Krankheit ansteckt und/oder an dieser stirbt

Hasserfülltes Verhalten – insbesondere Belästigung – kommt im Internet zunehmend häufiger vor. Laut Daten einer Umfrage aus dem Jahr 2021, die vom Pew Research Center durchgeführt wurde, wurden 41 % der Erwachsenen in den USA schon einmal Opfer einer Form von Belästigung im Internet. Bei 25 % dieser Befragten handelte es sich um schwere Belästigung (z B. Stalking, körperliche Bedrohung, anhaltende Belästigung und/oder sexuelle Belästigung). Hier sind einige Beispiele für hasserfülltes Verhalten. Die Beschreibungen der Opfer wurden in einer Forschungsstudie aus dem Jahr 2022 zitiert, die von der ADL (Anti-Defamation League) durchgeführt wurde:

  • “Als ich Call of Duty spielte, hörte ich, wie sich andere Spieler rassistisch äußerten, weil sie dachten, sie seien besser als ich, und das war sehr verletzend.”
  • “[Sie] sagten, dass Weiße besser sind als Schwarze, und dass Schwarze verschwinden sollten. Ich hasse es, dass bestimmte Ethnien heutzutage so rassistisch behandelt werden.”
  • “Ich wurde belästigt, weil ich ein jung aussehender Transmann mit kleiner Körperstatur bin. Vor meiner Transition wurde ich als Frau im Internet belästigt und gestalkt.”
  • “Ich bin ein Experte für das zeitgenössische jüdische Leben und habe bereits Werke zu diesem Thema veröffentlicht. Leute, die mich belästigen möchten, können meine Kontaktinformationen problemlos herausfinden, und somit erreichen mich pro Jahr im Schnitt zwei bis drei E-Mails mit Todesdrohungen, und ich muss ständig Trolle in sozialen Netzwerken blockieren.”

Warum ist hasserfülltes Verhalten schädlich?

Hasserfülltes Verhalten kann mehr Schaden anrichten, als dir vielleicht bewusst ist. Es kann dazu führen, dass manche Personen das Gefühl bekommen, nicht Teil der Community eines bestimmten Kanals oder sogar der Twitch-Community als ganzes zu sein und nicht hierher zu gehören. Dabei ist es gerade die Vielfalt der Twitch-Nutzer und ihrer einzigartigen Interessen, Talente und Perspektiven, die Twitch zu etwas Besonderem macht.

Selbst Einzelfälle hasserfüllten Verhaltens können schnell ausufern und zu schwereren Formen der Belästigung sowie Schädigungen außerhalb des Internets werden. Laut der ADL-Forschungsstudie aus dem Jahr 2022 gab mehr als ein Viertel (27 %) der Befragten an, dass die erlebte Online-Belästigung schwerwiegendere Formen wie körperliche Bedrohungen, Stalking, Doxing (die Weitergabe persönlicher Daten ohne Zustimmung) und Swatting (das Entsenden von Teams für Strafverfolgungsmaßnahmen zu einer Person nach Hause unter falschem Vorwand) nach sich zog. Die Gefahr einer Eskalation bis hin zu schwerer Belästigung kann auch dann gegeben sein, wenn du gar nicht bewusst vorhast, jemanden zu belästigen. Häufig machen Leute andere nach, die sie in ihrer Community schätzen, und nicht selten interpretieren andere Personen im Internet Fälle hasserfüllten Verhaltens als Zeichen, dass es in Ordnung – oder sogar wünschenswert – ist, sich noch schlimmerer Verhaltensweisen schuldig zu machen.

Für manche kann sich die Bedrohung durch solche schweren Formen der Belästigung konstant und unausweichlich anfühlen. Beispielsweise ist die Wahrscheinlichkeit, Opfer schwerer Belästigung zu werden, bei marginalisierten Gruppen – einschließlich Frauen, People of Color, LGBTQ+ sowie Menschen jüdischen und muslimischen Glaubens – höher als bei nicht marginalisierten Gruppen. Tatsächlich gab mehr als die Hälfte (54 %) der LGBTQ+-Befragten in der ADL-Umfrage an, dass sie Opfer schwerer Belästigung seien. Außerdem war die Wahrscheinlichkeit, aufgrund von Aussehen, Gender, ethnischer Zugehörigkeit, Religion/Weltanschauung, sexueller Orientierung, Genderidentität oder Behinderung belästigt zu werden, bei marginalisierten Gruppen 1,5 Mal höher als bei nicht marginalisierten Gruppen. Insofern begünstigt hasserfülltes Verhalten im Internet die weitere Verbreitung sozialer Ungleichheit und wirkt sich darauf aus, wer sich in einer Community sicher fühlen kann – und wer nicht.

Selbst wenn daraus keine schwere Belästigung erwächst, kann sich hasserfülltes Verhalten äußerst schädigend auf andere auswirken. Die Ergebnisse der ADL-Umfrage zeigen, dass jeder zehnte Amerikaner, der Opfer von Belästigung wird, unter Depressionen und Selbstmordgedanken leidet, während andere unter Angstgefühlen, Schlafstörungen, Konzentrationsstörungen und der Furcht vor weiteren Belästigungen leiden. Auch diese Erfahrungen treten bei marginalisierten Bevölkerungsgruppen, die Opfer hasserfüllten Verhaltens werden, häufiger auf. Dabei berichten fast 40 % der Befragten, die dem Islam angehören oder sich als LGBTQ+ identifizieren, von Schlafstörungen und Angstgefühlen, und fast ein Viertel gab an, unter Depressionen und Selbstmordgedanken zu leiden.

Hasserfülltes Verhalten kann sich auch in wirtschaftlicher Hinsicht negativ auswirken, wenn Personen aus marginalisierten Gruppen aufgrund derartiger Erfahrungen davon absehen, sich eine Karriere im Internet aufzubauen oder diese zu vertiefen. Neun Prozent der Befragten bei der ADL-Umfrage gaben an, dass die erfahrene Belästigung dazu geführt hat, dass sie ihre Nutzung bestimmter Plattformen eingeschränkt oder völlig beendet haben. Bei Twitch-Streamern können hasserfülltes Verhalten und Belästigung im Internet ein toxisches Umfeld begünstigen, das neue Community-Mitglieder vergrault. Eine weitere mögliche Folge ist, dass Creator Chancen ablehnen, die sie andernfalls ins Rampenlicht rücken würden. Wenn aus den online gezeigten Verhaltensweisen Belästigung im echten Leben erwächst, sehen sie sich möglicherweise auch gezwungen, drastische Maßnahmen zu ergreifen, wie etwa einen Wohnortwechsel oder die vollständige Beendigung ihrer Online-Karriere.

Die Juraprofessorin Danielle Keats Citron hat Studien zu diesem Effekt bei Frauen durchgeführt und folgerte in einem Forschungsbericht: “[Anonyme Belästigung im Internet] hält Frauen davon ab, online zu schreiben und sich so ihren Lebensunterhalt im Internet zu verdienen. Dies beeinträchtigt ihr Berufsleben. Dadurch werden sie als inkompetente Arbeitskräfte und minderwertige Sexualobjekte abgestempelt.” In einem Bericht von Take Back the Tech merkte eine befragte Teilnehmerin an: “Meine Meinungsfreiheit wurde durch die Hassnachrichten stark eingeschränkt. Ich beschloss, meine Nummer zu ändern und meinen Job zu kündigen.”

Hier sind einige reale Beispiele, bei denen die Betroffenen die Auswirkungen hasserfüllter Verhaltensweisen beschreiben. Diese stammen aus den Forschungsergebnissen der ADL:

  • “Meine Reaktion bestand nicht nur darin, das gefälschte Konto zu blockieren; ich habe auch eingestellt, dass nur Freunde meine geposteten Inhalte sehen können, und ich habe damit aufgehört, persönliche oder bedeutsame Inhalte im Netz zu veröffentlichen.”
  • “[Man] darf den Trollen keine Macht geben … man ist genervt, will diese Gefühle aber nicht zeigen. Sie zu enthüllen, verleiht der belästigenden Person Macht … dadurch kommt es zu einer Belastung. Die emotionale Belastung führt zur Lethargie. Und wenn man sich erst mal daran gewöhnt hat, macht es einen nur noch fertig.”
  • “Es ist einfach ärgerlich. Da sitzt jemand hinter seinem Bildschirm und versucht, alles zu zerstören, für das ich so hart gearbeitet habe. Für diese Leute gibt es keine Konsequenzen, aber ich muss mich für alles, was ich tue, verteidigen.”
  • [Reaktion auf Doxing] “Diese Erfahrung war sehr beängstigend. Das waren zwar alles Lügen, aber dennoch litt ich dadurch unter dauerhafter Paranoia.”
  • “Ich wurde zunächst online gestalkt, später kam es jedoch auch zu physischem Stalking und mehreren Angriffen.”

Was sind Beleidigungen?

Eine Beleidigung ist ein verletzender oder herabwürdigender Ausdruck. Beleidigungen werden häufig verwendet, um andere Personen auf Grundlage der oben dargelegten geschützten Merkmale zu diskriminieren, zu erniedrigen und zu belästigen, oder um gewalttätige Verhaltensweisen gegen solche Personen zu fördern.

Im Hinblick auf Beleidigungen und deren Wirkung auf andere darf man nie vergessen, dass sich Sprachen und Kulturen voneinander unterscheiden und sich stets weiterentwickeln. Ausdrücke, die früher von der Allgemeinheit nicht als beleidigend angesehen wurden, werden inzwischen möglicherweise so verstanden, also solltest du stets informiert bleiben. Auch wenn ein Ausdruck da, wo du wohnst, nicht als beleidigend gilt, können dein Stream oder deine Chatnachrichten Menschen überall auf der Welt erreichen – und gemäß unserer Richtlinie zu hasserfülltem Verhalten bietet Twitch all seinen Nutzern weltweit den gleichen Schutz. Ebenso kann es vorkommen, dass du eine gewisse Wortwahl innerhalb eines bestimmten Kontexts nicht beleidigend meinst, wenn du über deine eigene Identitätsgruppe sprichst, andere es aber so verstehen, besonders Angehörige der jeweiligen Gruppe.

In Bezug auf Beleidigungen (und hasserfülltes Verhalten im Allgemeinen) priorisieren Menschen häufig Absicht über Auswirkung. Das bedeutet, dass wir uns, wenn wir mit unseren Worten Schaden verursachen, eher darauf konzentrieren, was wir mit unseren Worten oder Taten gemeint haben und nicht darauf, wie sich andere Leute durch unsere Worte gefühlt haben oder welche Konsequenzen unsere Taten haben. Vielleicht können wir beleidigende Worte oder Handlungen auch entschuldigen, wenn wir sie als unbewusst wahrnehmen oder den Fokus auf die Absichten einer Person (d. h. “So hab’ ich es nicht gemeint”) richten, anstatt uns auf die Gefühle der geschädigten Person zu konzentrieren. Die betroffene Person wird nämlich geschädigt, unabhängig von der Absicht oder der Frage, ob die Handlungen und Worte denn bewusst gewählt wurden. Daher ist es von zentraler Bedeutung, die Auswirkung zu priorisieren und für den verursachten Schaden Verantwortung zu übernehmen.

Mehr Informationen erhältst du in unseren Community-Richtlinien, aber dies sind einige Beispiele von Beleidigungen, deren Verwendung auf Twitch untersagt ist:

  • Inhalte, die einen Benutzer auffordern, sich umzubringen, in Kombination mit einer hasserfüllten Verunglimpfung, wie zum Beispiel “kys/bring dich um, [Verunglimpfung]”
  • Eine Person gezielt mit einer Beleidigung im Chat ansprechen, die auf einem geschützten Merkmal basiert
  • Schimpfwörter und Beleidigungen in der Profilbeschreibung
  • Einen anderen Spieler aus Wut beim Streamen beschimpfen oder beleidigen

***Hinweis:***Auf Twitch lassen wir bestimmte Wörter oder Begriffe, die zur Ermutigung oder als Kosenamen verwendet werden, zu, wenn diese Absicht deutlich erkennbar ist, selbst wenn diese Begriffe in anderen Zusammenhängen gegen unsere Richtlinie verstoßen. Wir machen auch Ausnahmen für Beleidigungen in der Musik – und beim Mitsingen zu Musik –, solange das Lied selbst nicht hasserfüllt ist und die Beleidigungen nicht mit anderen diskriminierenden oder herabwürdigen Inhalten kombiniert werden.


Warum sind Beleidigungen schädlich?

Ähnlich wie hasserfülltes Verhalten sind Beleidigungen nicht nur schädlich, weil sie einer Person in einem Moment wehtun, sondern sie können mit der Zeit auch tiefgehendere und schwerwiegendere Schäden verursachen. Die Ergebnisse psychologischer Forschung zeigen, dass es schwerwiegende Konsequenzen für die psychische Gesundheit und das Wohlbefinden einer Person haben kann, mit Beleidigungen bedacht zu werden, einschließlich Selbstmordgedanken, posttraumatischer Belastungsstörungen und Depressionen. Betroffene berichten auch von einem Gefühl der Erschöpfung und Frustration durch den Versuch, dem Hass “entgegenzuwirken”, sich also eingehend mit offensiven Bildern und Nachrichten einschließlich Beleidigungen auseinanderzusetzen.

Neben den negativen Auswirkungen auf andere Personen tragen Beleidigungen dazu bei, gesellschaftliche Ungleichheiten oder Ausgrenzung zu verstärken, indem negative und beleidigende Wahrnehmungen von Personengruppen als normal erachtet werden, ebenso wie die Vorstellung, dass bestimmte Personengruppen anders oder minderwertig sind. Beleidigungen sind ein Mittel zur Ausgrenzung: Sie können anderen Personen vermitteln, dass sie “nicht dazugehören”, oder schlimmer noch, dass sie wertlos sind, auch wenn die Beleidigung nicht direkt an sie gerichtet war. Wie der Sprachphilosoph Kent Bach anmerkte, ist die Verwendung oder auch nur die Erwähnung einer Beleidigung “eine aggressive Erinnerung” an die Geschichte dahinter, also die Tatsache, dass sich eine solche Beleidigung als Weg entwickelt hat, den Hass auf eine bestimmte Personengruppe in Worte zu fassen und auszudrücken. Kurz gesagt kann die Verwendung einer Beleidigung zur Beschreibung einer Situation oder sogar eines Charakters in einem Videospiel ebenso schädlich sein, wie die gezielte Verwendung gegen eine bestimmte Person.

Ebenso wie hasserfülltes Verhalten sind Beleidigungen häufig der erste Schritt hin zu gefährlichen und extremen Formen der Belästigung. Nach einer Reihe von Beiträgen über sie auf einer Neonazi-Website im Jahr 2016 wurde die jüdische Immobilienmaklerin Tanya Gersh von den Nutzern der Website terrorisiert. Dies begann mit antisemitischen Beleidigungen, die schon bald in Sprachnachrichten mit Todesdrohungen ausuferten. Die Belästigung führte zu Panikattacken, Angst davor, ans Telefon zu gehen oder ihr Zuhause zu verlassen, sowie einer Verschlechterung ihres körperlichen Gesundheitszustands. Die Verwendung von Beleidigungen, um andere zu drangsalieren, weckt verständlicherweise Angstgefühle.

Du solltest auch nicht vergessen, dass Beleidigungen selten nur einmal erlebt werden, und nie in einem Vakuum. In den meisten Fällen hören die Opfer von Beleidigungen diese ihr ganzes Leben lang immer wieder und wieder, wodurch die negative Wirkung noch verstärkt wird. Die Journalistin Catherine Mayer erklärt:

Die Leute sagen über einzelne Vorfälle immer: ‘Das ist doch gar nicht so schlimm, oder? Lass dich davon nicht fertigmachen.’ Die eigentliche Rolle spielt jedoch die Anhäufung all dieser Beleidigungen, auch wenn sie einzeln ein geringes Ausmaß haben.

Ähnlich äußerte sich die Autorin und Aktivistin Michelle Taylor:

Es gab Tage, an denen ganze Scharen von Leuten meine Timeline heimgesucht haben, um mir alle nur erdenklichen Beleidigungen und Schimpfwörter an den Kopf zu knallen, nur weil ich eine schwarze Feministin bin.

Die Auswirkungen hasserfüllter Beleidigungen sind umso weitreichender, wenn keinerlei Gegenreaktion anderer Personen erfolgt. Stille sendet das Signal, dass derartige hasserfüllte Worte in Ordnung sind, sodass sich andere ermutigt fühlen, sie zu nutzen oder sich anderen Formen hasserfüllten Verhaltens schuldig zu machen. Außerdem hat diese Stille eine negative Auswirkung auf die Gruppen, die direkt von der Beleidigung betroffen sind. Wenn sich niemand gegen derartige Beleidigungen ausspricht, sendet dies anderen die Botschaft, dass sie möglicherweise als Nächste ins Visier der Schuldigen geraten und damit möglicherweise auch Opfer von Doxing, Swatting, Bedrohungen, Gewalt etc. werden. Das kommt für Personen – insbesondere die Angehörigen vulnerabler oder marginalisierter Gruppen – einer Einschränkung gleich, sich voll in eine Community einzubringen, da sie immer Angst haben müssen, was geschieht, wenn sie es doch tun.


Was kann ich tun, um mehr über hasserfülltes Verhalten und Beleidigungen zu erfahren?

Um dich eingehender mit den Auswirkungen von hasserfülltem Verhalten und Beleidigungen in Online-Umgebungen zu befassen, empfehlen wir, dich mit einigen Ressourcen vertraut zu machen. Hier findest du eine Auswahl für den Einstieg:

Was passiert, wenn ich mich unbeabsichtigt hasserfüllten Verhaltens schuldig mache und mich jemand darauf anspricht?

Wenn dich jemand konfrontiert, solltest du darauf nicht defensiv reagieren und die Gefühle dieser Person nicht herabwürdigen. Bitte die Person stattdessen, dir zu erklären, wie und warum sie sich durch das hasserfüllte Verhalten oder die Beleidigung geschädigt gefühlt hat, und hör ihr genau zu. Wichtig ist, dass du nicht über die Person urteilst. Vielmehr solltest du die Situation als Chance betrachten, mehr über die Erfahrungen eines anderen Menschen zu erfahren.

Was kann ich tun, um mich auf Twitch und in anderen Online-Umgebungen in Bezug auf hasserfülltes Verhalten und Beleidigungen besser zu verhalten?

Denke darüber nach, wie du dich auf Twitch und in anderen Online-Umgebungen verhältst, und frage dich, warum du auf bestimmte Weise handelst oder dich in einer Art ausdrückst, die andere als hasserfüllt interpretieren:

Ist es aus Gewohnheit? Oder weil du nicht wusstest, dass die Verhaltensweise bzw. Wortwahl als hasserfüllt gilt? Lag es tatsächlich daran, dass du jemandem wehtun wolltest? Wie bereits erwähnt, solltest du versuchen, eine defensive Haltung zu vermeiden, wenn du damit konfrontiert wirst. Konzentriere dich stattdessen auf die Auswirkungen, die der Vorfall auf eine andere Person oder die Community im Allgemeinen hat.

Keiner von uns ist perfekt. Wir machen alle manchmal Fehler. Auch wenn du glaubst, dass du nur “einen Witz” gemacht hast, sehen es andere Menschen vielleicht nicht so. Das muss nicht heißen, dass du ein schlechter Mensch bist. Allerdings haben wir alle die Verantwortung, darüber nachzudenken, wie sich unsere Handlungsweisen auf andere Menschen in unseren Communitys auswirken, und unser Verhalten so anzupassen, dass wir selbst positivere und verantwortungsbewusstere Mitglieder dieser Communitys sein können.

Außerdem spielen wir als Community-Mitglieder eine wichtige Rolle dabei, die Kultur dieser Community zu definieren und bei hasserfülltem Verhalten und Beleidigungen nicht einfach wegzusehen. Das trifft insbesondere auf Streamer zu. Forschungsergebnisse zeigen, dass Menschen, die ihre Inhalte im Internet veröffentlichen, häufig Verhaltensmuster beeinflussen, da sie in den Communitys, die sie aufbauen, als Vorbilder und Galionsfigur fungieren. Die meisten Menschen sind sich einig, dass hasserfülltes Verhalten und Beleidigungen schädlich sind und in Online-Communitys nichts verloren haben – aber dagegen vorzugehen, kann einschüchternd sein. In einer kürzlich durchgeführten Umfrage unter Online-Gamern stimmten 76 % der Befragten zu, dass Personen, die hasserfülltes Verhalten zeigen oder sich beleidigend äußern, konfrontiert werden sollten, aber weniger als 20 % gaben an, tatsächlich schon einmal einen Nutzer konfrontiert zu haben, der sich hasserfüllt verhalten oder beleidigend geäußert hat. Die Zurückhaltung ist nachvollziehbar, aber leider trägt sie auch zum Problem bei, da dadurch Vorurteile, Ausgrenzung und Belästigung zum Normalzustand werden. Stattdessen können alle Nutzer helfen, indem sie:

  • Anderen gegenüber deutlich machen, dass sie nichts mit dem fraglichen Verhalten zu tun haben möchten und dieses nicht gutheißen
  • Hasserfüllt handelnde Personen (privat oder öffentlich) darauf ansprechen, sofern das sicher ist
  • Den Opfern verletzender Verhaltensweisen oder Beleidigungen meine Unterstützung anbieten
  • Personen, denen sie vertrauen, um Rat fragen, wie die Situation am besten zu bewältigen ist
  • Vorfälle hasserfüllten Verhaltens an Twitch melden, indem sie die verantwortliche Person melden
  • Moderationsmaßnahmen ergreifen und hasserfüllte Nachrichten aus dem/den Chat(s) entfernen, sofern sie dazu in der Lage sind

***Hinweis:***Wenn du ein Creator bist, liegt es in deiner Verantwortung, sicherzustellen, dass die Inhalte auf deinem Kanal unseren Nutzungsbedingungen und Community-Richtlinien entsprechen. Wenn hasserfüllte oder beleidigende Inhalte in deinem Stream erscheinen, erwarten wir, dass du die notwendigen Schritte unternimmst, um das Verhalten zu unterbinden und sicherzustellen, dass es nicht wieder vorkommt.

Außerdem kannst du helfen, indem du dich offen gegen hasserfülltes Verhalten und Beleidigungen aussprichst und erklärst, warum sie schädlich sind, und indem du positive Inhalte und respektvolles Verhalten lobst und unterstützt. Denk auch über dein eigenes Verhalten nach und überleg dir, wie du selbst einen positiveren Beitrag für die Community leisten kannst.

Wie bereits erwähnt, wird hasserfülltes Verhalten in Online-Umgebungen zu oft als normal erachtet, wie an diesem Beispiel aus einer Studie von Dr. Stephanie Ortiz zu sehen ist, in der es darum ging, wie Men of Color inzwischen Rassismus im Rahmen von Online-Spielen akzeptieren. Ein Spieler wurde gefragt, wie er mit Rassismus bei Online-Spielen zurechtkommt, und er antwortete:

Ich mache mir darüber keine Gedanken [Pause]. Nein, ich möchte das umformulieren. Ich meine damit, dass ich mir viel zu lange Gedanken darüber gemacht habe … Es ist anstrengend, mit der Unwissenheit anderer umzugehen … Ich habe solche Äußerungen schon so oft gehört und trug so viel Bitterkeit gegenüber diesen Fremden in mir, denen ich im echten Leben nie begegnen werde. Ich musste dafür sorgen, dass es aufhört, mir wehzutun.

Das Leiden so vieler anfälliger und benachteiligter Communitys in virtuellen Räumen zu beenden, kann mit dir beginnen.